Digitalisierung1/11/2021

Digitalisierung am Bau

Katja Schönweiler im Jahr 2020
Katja Schönweiler

Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei den Bauunternehmen? Wo wurden bereits Erfolge verzeichnet, welchen Widrigkeiten stehen die Branchenteilnehmer gegenüber? Wir von Digando.com haben nachgefragt.

Digitalisierung am Bau

Im Interview mit Mag. (FH) Philipp Wessiak, Head of Logistics bei der Hilti & Jehle GmbH in Feldkirch.

Hallo Herr Wessiak, als Traditionsbetrieb blicken Sie auf eine fast 150-jährige Geschichte zurück. Gerade in den letzten Jahren wird auch in der Baubranche über das Thema digitale Prozesse heiß diskutiert. Inwiefern hat sich Ihr Geschäftsalltag in Bezug hierauf bereits verändert?
Die Digitalisierung von Prozessen ist bei uns ein Thema, das wir schon seit einiger Zeit bearbeiten. Wir haben bereits großteils ein integriertes ERP-System umgesetzt und arbeiten an digitalen Lieferanten-Prozessen sowie digitalen Prozessen in der Logistik (Materialwirtschaft, Transportmanagement, Geräte-Tracking).

Vor welchen Herausforderungen steht ein Unternehmen bei der Digitalisierung? Welche Steine legen sich hier in den Weg?
Eine große Herausforderung ist, ob sich eine Digitalisierungsmaßnahme auch tatsächlich für den Bau eignet. Zudem ist in unserem Umfeld die Praxis- und Nutzerorientierung ein wichtiges Kriterium. Die Lösungen müssen einfach, pragmatisch und wirklich nutzenstiftend sein.

„Die Lösungen müssen einfach, pragmatisch und wirklich nutzenstiftend sein.“

Mag. (FH) Philipp Wessiak
Head of Logistics, Hilti & Jehle GmbH

Welche konkreten unterstützenden Maßnahmen bei der Etablierung weiterer digitaler Prozesse würden Sie sich wünschen?
Wir sehen es generell in der Eigenverantwortung eines Unternehmens, sich auch mit Digitalisierung weiterzuentwickeln. Trotzdem wäre die Honorierung von Prozessoptimierungen mittels digitaler Mittel durch die Politik sicher ein weiterer Anreiz für die Branche. Auch die Sicherstellung einer lückenfreie Netzabdeckung für die Datenübertragung ist von großer Bedeutung.

Immer wieder wird der Bauwirtschaft vorgeworfen, digitale Prozesse nur schleppend zu etablieren und an Altbewährtem festzuhalten. Was denken Sie, warum dieser Eindruck entsteht?
Der Eindruck entsteht, weil die Branche stark auf Sicherheit durch Altbewährtes setzt. Es bleibt im Allgemeinen aufgrund von Zeitdruck oft auch zu wenig Zeit zum Experimentieren. Die Geschwindigkeit der Veränderung wird zudem durch nicht so gute Erfahrungen beziehungsweise Ängste bezüglich der Robustheit und Eignung von digitalen Lösungen für den Bau – Einfachheit und Robustheit für Baustellen, Eignung im Freien oder in Schmutzumgebung, mechanische Unempfindlichkeit, Datennetzabdeckung – abgebremst. Nicht zuletzt ist auch die Digitalkompetenz der Baufirmen erst im Aufbau. Für Digitalisierungsexperten waren bisher andere Branchen weitaus interessanter, weil dort eine bessere Erfolgswahrscheinlichkeit erzielbar war.

Factbox Hilti & Jehle GmbH

Unternehmensform: Generalunternehmer
Standort: Feldkirch, Vorarlberg
Gründung: 1876
Mitarbeiterzahl: rund 600

Mehr Informationen: www.hilti-jehle.at

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